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©Reinhard Krause,Wildau,Germany

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1Mehr Sommerglück geht kaum. Umgeben von einem gut gepflegten Zierblumendschungel sitzt das Paar im Garten in Essen-Karnap, 1984. Man hat viel Liebe investiert, wie die große Windmühle zeigt. Und doch zeugt Reinhard Krauses Bild von einer bescheidenen Selbstzufriedenheit, die neidisch machen kann. „Woanders is auch scheiße“ heißt der opulente Band mit rund 200 Aufnahmen aus dem Ruhrgebiet der 1980er Jahre. Nicht nur der Titel ist ein Zitat von Frank Goosen, der Bochumer Autor steuerte auch ein erinnerungsschweres Vorwort bei. Im Zentrum aber stehen die vielen Fotos, die Krause, geboren 1959 in Essen, später Reporter für die Nachrichtenagentur Reuters, zwischen Hamm und Moers machte. Die Negative hat Krause dem Ruhrmuseum in Essen geschenkt. Am Mittwoch, 18. Oktober, 17.30 Uhr, werden sie dort vorgestellt. Der Fotograf und Frank Goosen sind anwesend. Man findet in dem Buch viel Typisches und viel Skurriles, Spielmannszüge beim Schützenfest, rauchende Stahlhütten, Wühlerei am Kaufhausgrabbeltisch, die misstrauische alte Dame in der Straßenbahn, einen Opa auf Rollschuhen, knutschende Pärchen, Szenen am Kneipentresen. Die Fotos fand Krause in Umzugskartons wieder. Wilfried Bienek sucht in den Bildzeilen zu sehr die Pointe, und etwas Ordnung hätte auch nicht geschadet (warum sind die Fotos von der Eröffnung des Pink Palace quer durch den Band verstreut?). Den Reiz des Bandes schmälert das kaum. Er löst tatsächlich Erinnerungen ohne Ende aus an ein „quietschbuntes, neonfarbenes Jahrzehnt“ (Goosen), das bei allen Krisen doch von einer naiven Lebensfreude erfüllt war. Reinhard Krause: Woanders is auch scheiße. Emons Verlag, Köln. 240 S., 35 Euro

1Mehr Sommerglück geht kaum. Umgeben von einem gut gepflegten Zierblumendschungel sitzt das Paar im Garten in Essen-Karnap, 1984. Man hat viel Liebe investiert, wie die große Windmühle zeigt. Und doch zeugt Reinhard Krauses Bild von einer bescheidenen Selbstzufriedenheit, die neidisch machen kann. „Woanders is auch scheiße“ heißt der opulente Band mit rund 200 Aufnahmen aus dem Ruhrgebiet der 1980er Jahre. Nicht nur der Titel ist ein Zitat von Frank Goosen, der Bochumer Autor steuerte auch ein erinnerungsschweres Vorwort bei. Im Zentrum aber stehen die vielen Fotos, die Krause, geboren 1959 in Essen, später Reporter für die Nachrichtenagentur Reuters, zwischen Hamm und Moers machte. Die Negative hat Krause dem Ruhrmuseum in Essen geschenkt. Am Mittwoch, 18. Oktober, 17.30 Uhr, werden sie dort vorgestellt. Der Fotograf und Frank Goosen sind anwesend. Man findet in dem Buch viel Typisches und viel Skurriles, Spielmannszüge beim Schützenfest, rauchende Stahlhütten, Wühlerei am Kaufhausgrabbeltisch, die misstrauische alte Dame in der Straßenbahn, einen Opa auf Rollschuhen, knutschende Pärchen, Szenen am Kneipentresen. Die Fotos fand Krause in Umzugskartons wieder. Wilfried Bienek sucht in den Bildzeilen zu sehr die Pointe, und etwas Ordnung hätte auch nicht geschadet (warum sind die Fotos von der Eröffnung des Pink Palace quer durch den Band verstreut?). Den Reiz des Bandes schmälert das kaum. Er löst tatsächlich Erinnerungen ohne Ende aus an ein „quietschbuntes, neonfarbenes Jahrzehnt“ (Goosen), das bei allen Krisen doch von einer naiven Lebensfreude erfüllt war.

Reinhard Krause: Woanders is auch scheiße. Emons Verlag, Köln. 240 S., 35 Euro

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NEUER BILDBAND

Bewegende Bilder aus den 1980er Jahren im Ruhrgebiet

ESSEN.  In den 1980er Jahren nahm das Sterben der alten Industrien Fahrt auf, ein Essener Fotograf schuf dazu Bild-Ikonen. Jetzt wurde daraus ein Buch.

Die 1980er Jahre waren im Ruhrgebiet eine Zwischenepoche. Die alten Industrien starben, aber ihre großen Reste prägten weiterhin Städte und Menschen. Es gab noch kriegsversehrte Männer mit Hut, und die Jungen trugen die Haare vorne kurz und hinten lang („Vokuhila“). In vielen Gesichtern spiegelte sich ein hartes Arbeitsleben und seltener Übergewicht. Wo heute selbst Durchschnittsstraßen auf Allee machen und an Gebäuden postmoderner Firlefanz das Hässliche kaschiert, boten sich damals nüchterne, baumlose Stadtansichten in betonierter Härte. Die 80er im Ruhrgebiet sind eine ferne Zeit, die der in Essen aufgewachsene Fotograf Reinhard Krause dokumentierte. Nun hat er ein Buch draus gemacht.

Der 58-jährige arbeitet schon lange als Bildjournalist bei einer Nachrichtenagentur in London und gehört eigentlich nicht zu den allseits bekannten Foto-Chronisten des Ruhrgebiets. Doch im Jahr 2015 stellte er spontan Aufnahmen aus seinen jungen Jahren im Revier im Netzwerk Facebook ein und fand sofort interessierte bis begeisterte Betrachter.

Qualität der Bilder tröstet über den abgedroschenen Titel hinweg

Zu Recht. Man spürt und sieht, ob ein Fotograf nur in der Nähe war oder wirklich dicht dran, ob er Angst hatte oder mutig war, ob er mit Klischees spielt oder ihnen nur aufsitzt, ob er die Menschen für sich gewinnen kann und einen Blick hat für das Besondere, das Faszinierende, das Skurrile. Krause kann all das, soviel steht fest.

Das tröstet über den abgedroschenen Titel des Bildbands hinweg. „Woanders is auch scheiße“ hat als Spruch einen ziemlichen Bart und sieht auf einem Einband genau so aus: scheiße. Auch die bemüht auf originell und witzig gedrechselten Bildunterschriften, die der Essener Literat Wilfried Bienek beisteuerte, bilden einen grotesken Kontrast zu den oft stillen, konzentrierten, alles andere als gekünstelten Fotos.

Das Geld für die erste Kamera bei Krupp in der Härterei verdient

Nur der Buch-Essay von Bestsellerautor Frank Goosen hält Krauses Niveau und leuchtet kurz und prägnant Wesentliches über die 1980er Jahre im Ruhrgebiet aus. Die Generation Goosen, geboren um die Mitte der 1960er Jahre, hat in den 1980ern ihre Prägung erhalten.

Das Geld für seine erste Kamera hat sich Reinhard Krause als Teenager in der Härterei bei Krupp in Altendorf verdient. „Im Jugendzentrum an der Papestraße gab es eine Dunkelkammer mit Fotopapier und Chemikalien, und ich konnte immer alles benutzen“, erinnert er sich. Jugendarbeit, die von nachhaltigem Erfolg gekrönt war.

„Ich habe auch selbst mal was auf die Mütze gekriegt“

Krause erhielt erste Aufträge und studierte Fotografie, nebenbei ging er auf ausgedehnte Kamera-Streifzüge mit Schwerpunkt Essen, wo er bis 1989 lebte. In der Alt-Disco „Kalei“ an der Alten Synagoge fand Krause ebenso Motive wie beim Karneval, in der Straßenbahn, in Schrebergärten, Kneipen oder schlicht auf der Straße. Er fotografierte Schlägereien, die aussehen wie arrangiert, aber verdammt ernst waren. „Ich habe auch selbst mal was auf die Mütze gekriegt.“ Wertvolle Erfahrungen, die ihm später noch oft von Nutzen waren. „Ich habe damals gelernt, wie ein Berufsfotograf Konflikte besteht.“

Zur Alltagsfotografie kam das Sozialpolitische. „Das Ruhrgebiet trug Kämpfe aus, deren Heftigkeit noch nicht durch Selbstironie abgemildert wurde“, schreibt Goosen. Und wie alle ambitionierten Fotografen war Krause von diesem letztem großen Aufbäumen elektrisiert. Auch jene Stadtbilder mit der brutalen Nähe zwischen Industrie und Mensch waren nur noch kurze Zeit möglich.

Fotografenkollegen taten seine Bilder als Klischees ab - „sonst hätte ich noch mehr gemacht“

„Ich habe genau gemerkt, im Ruhrgebiet geht gerade etwas zu Ende, und mich ärgert heute, dass ich damals nicht noch viel mehr Bilder gemacht habe“, sagt Krause. Doch hätten Kollegen solche Bilder oft als Klischees abgetan, von denen sich ein guter Bildjournalist fernhalten solle. „Man musste sich fast schon rechtfertigen, davon habe ich mich zu sehr beeinflussen lassen.“

Für die Agentur Reuters hat Krause dann jahrzehntelang die Welt bereist, ist aber der Typ Fotograf geblieben, der sich von den kleinen Dingen des Lebens bewegen lässt. Das macht ihn zu einem Großen.

Reinhard Krause: „Woanders is auch scheiße“ - Das Ruhrgebiet in den 1980er Jahren, Emons-Verlag, 240 Seiten, 200 Fotos, 35 Euro.

Frank Stenglein (WAZ/NRZ Essen) 


BODO STRASSENMAGAZIN Oktober 2017

BODO STRASSENMAGAZIN Oktober 2017



Die Fotos aus den 1980er Jahren des „Reuters“-Fotografen Reinhard Krause waren sofort der Renner, als der gebürtige Essener sie Ende 2015 im Netzwerk Facebook vorstellte. Der heute 59-Jährige war als junger Mann mit der Kamera kreuz und quer durch Essen und das Ruhrgebiet gezogen, hatte Stadtbilder, Straßenszenen und viel Skurriles eingefangen und die Fotos erst jüngst wiederentdeckt. Wie alle guten Fotojournalisten hat Krause das Talent, Menschen nahezukommen und das Besondere im Alltäglichen zu erkennen. „Ich habe genau gemerkt, im Ruhrgebiet geht gerade etwas zu Ende und mich ärgert, dass ich damals nicht noch viel mehr Bilder gemacht habe“, sagte er mal. In der Galerie „Clowns und Pferde“, Frankfurter Straße 33, in Essen-Frohnhausen sind Krauses Ruhrgebietsbilder noch bis zum 4. November zu sehen. Mit dabei: das Foto des unvergessenen Essener Straßen- und Kneipenmusikers Günther „Günni“ Semmler. Ruhrgebiet in 1980er Jahren – Reinhard Krause zeigt Fotos | WAZ.de

Die Fotos aus den 1980er Jahren des „Reuters“-Fotografen Reinhard Krause waren sofort der Renner, als der gebürtige Essener sie Ende 2015 im Netzwerk Facebook vorstellte. Der heute 59-Jährige war als junger Mann mit der Kamera kreuz und quer durch Essen und das Ruhrgebiet gezogen, hatte Stadtbilder, Straßenszenen und viel Skurriles eingefangen und die Fotos erst jüngst wiederentdeckt. Wie alle guten Fotojournalisten hat Krause das Talent, Menschen nahezukommen und das Besondere im Alltäglichen zu erkennen. „Ich habe genau gemerkt, im Ruhrgebiet geht gerade etwas zu Ende und mich ärgert, dass ich damals nicht noch viel mehr Bilder gemacht habe“, sagte er mal.

In der Galerie „Clowns und Pferde“, Frankfurter Straße 33, in Essen-Frohnhausen sind Krauses Ruhrgebietsbilder noch bis zum 4. November zu sehen. Mit dabei: das Foto des unvergessenen Essener Straßen- und Kneipenmusikers Günther „Günni“ Semmler.

Ruhrgebiet in 1980er Jahren – Reinhard Krause zeigt Fotos | WAZ.de


REINHARD KRAUSE “DIE 80ER IM RUHRGEBIET“ „Eigentlich war das Ruhrgebiet immer ein Konglomerat von unheimlich langweiligen Siedlungen. Lärmschutzwände, Reihenhäuser, Nachkriegsbauten, Autos … aber was das unverwechselbare war und ist sind die Menschen die dort leben." Reinhard Krause Mehr als ein Jahrzehnt hat der Fotograf Reinhard Krause (geb. 1959 in Essen) im Ruhrgebiet fotografiert. Tausende von Bildern sind entstanden bei Streifzügen mit der Kamera durch Stadtteile und Orte, die in Reiseführern bis heute unerwähnt bleiben und in die Prominente nur in Form eines Reklameplakats kommen. Krauses meisterhafte Bilder zeigen den Alltag im Ruhrgebiet der 80er Jahre und sie zeigen echte Menschen und wahre Mentalitäten und keine Klischees. Die Bilder sind geprägt von einer tiefen Menschlichkeit und Verbundenheit mit der Region. Krauses Fotografien, und dies ist das besondere, machen das Übersehene und auch die Übersehenen zu ihren Helden. Die in Selbstdarstellungen des Ruhrgebiets häufig übergangenen Stadtteile wie etwa Essen-Frohnhausen, Wattenscheid-Höntrop oder Dortmund-Dorstfeld stehen im Mittelpunkt des Interesses. Krause zeigt auf berührende und oftmals sehr humorvolle Weise Arbeiter auf dem Weg zur Arbeit, ausgelassen feiernde Punks, Raufbolde bei Schlägereien, „Ommas“ im Stehcafe und Männer in Eckkneipen. Und dies mit einer Nähe und Unvermitteltheit die einen immer wieder fragen lässt: „Reinhard Krause: Wie haben Sie das gemacht?“ Die Menschen und die Orte bekommen ein Gesicht, sie werden zu Ikonen und erhalten ihre Würde zurück. Dies alles macht die Bilder zu kleinen Meisterwerken und Juwelen, die in einem Atemzug mit den Titanen der Ruhrgebietsfotografie zu nennen sind, etwa Chargesheimer (Das Ruhrgebiet, 1958) und Hans Peter Feldmann (Essen – Eine Stadt, 1977). Der französische Fotograf und Mitbegründer der Fotoagentur Magnum Henri Cartier-Bresson hat einmal gesagt: „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.“ Man kann ohne jede Übertreibung sagen: niemanden lassen diese Bilder kalt. Sie zeigen und dokumentieren Zeitgeschichte aber sie schreiben auch gerade Geschichte und werden von STERN bis SPIEGEL in zahlreichen Artikeln gewürdigt und in den sozialen Medien gefeiert. Zu Recht! Wir sind stolz und sehr glücklich die Bilder von Reinhard Krause nun erstmals in Essen zeigen zu dürfen. Reinhard Krause wird zur Ausstellungseröffnung anwesend sein. Matthias Tränkle, im September 2016 Kurator der Ausstellung VITA REINHARD KRAUSE Geb. 1959 in Essen. Foto-Designstudium an der Fachhochschule Dortmund bei Prof. Hans Meyer-Veden und Prof. Pan Walther. Freier Fotograf, seit 1989 Fotoreporter für die Nachrichtenagentur REUTERS. 2000-2010 Leiter des REUTERS Bilderdienstes in Israel und den Palestinensischen Gebieten, China und Indien. Seit 2011 Global Editor des Internationalen Bilderdienstes REUTERS in London.

REINHARD KRAUSE “DIE 80ER IM RUHRGEBIET“

„Eigentlich war das Ruhrgebiet immer ein Konglomerat von unheimlich langweiligen Siedlungen. Lärmschutzwände, Reihenhäuser, Nachkriegsbauten, Autos … aber was das unverwechselbare war und ist sind die Menschen die dort leben." Reinhard Krause

Mehr als ein Jahrzehnt hat der Fotograf Reinhard Krause (geb. 1959 in Essen) im Ruhrgebiet fotografiert. Tausende von Bildern sind entstanden bei Streifzügen mit der Kamera durch Stadtteile und Orte, die in Reiseführern bis heute unerwähnt bleiben und in die Prominente nur in Form eines Reklameplakats kommen. Krauses meisterhafte Bilder zeigen den Alltag im Ruhrgebiet der 80er Jahre und sie zeigen echte Menschen und wahre Mentalitäten und keine Klischees. Die Bilder sind geprägt von einer tiefen Menschlichkeit und Verbundenheit mit der Region. Krauses Fotografien, und dies ist das besondere, machen das Übersehene und auch die Übersehenen zu ihren Helden. Die in Selbstdarstellungen des Ruhrgebiets häufig übergangenen Stadtteile wie etwa Essen-Frohnhausen, Wattenscheid-Höntrop oder Dortmund-Dorstfeld stehen im Mittelpunkt des Interesses. Krause zeigt auf berührende und oftmals sehr humorvolle Weise Arbeiter auf dem Weg zur Arbeit, ausgelassen feiernde Punks, Raufbolde bei Schlägereien, „Ommas“ im Stehcafe und Männer in Eckkneipen. Und dies mit einer Nähe und Unvermitteltheit die einen immer wieder fragen lässt: „Reinhard Krause: Wie haben Sie das gemacht?“ Die Menschen und die Orte bekommen ein Gesicht, sie werden zu Ikonen und erhalten ihre Würde zurück. Dies alles macht die Bilder zu kleinen Meisterwerken und Juwelen, die in einem Atemzug mit den Titanen der Ruhrgebietsfotografie zu nennen sind, etwa Chargesheimer (Das Ruhrgebiet, 1958) und Hans Peter Feldmann (Essen – Eine Stadt, 1977).

Der französische Fotograf und Mitbegründer der Fotoagentur Magnum Henri Cartier-Bresson hat einmal gesagt: „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.“ Man kann ohne jede Übertreibung sagen: niemanden lassen diese Bilder kalt. Sie zeigen und dokumentieren Zeitgeschichte aber sie schreiben auch gerade Geschichte und werden von STERN bis SPIEGEL in zahlreichen Artikeln gewürdigt und in den sozialen Medien gefeiert. Zu Recht!

Wir sind stolz und sehr glücklich die Bilder von Reinhard Krause nun erstmals in Essen zeigen zu dürfen.

Reinhard Krause wird zur Ausstellungseröffnung anwesend sein.

Matthias Tränkle, im September 2016
Kurator der Ausstellung

VITA REINHARD KRAUSE
Geb. 1959 in Essen. Foto-Designstudium an der Fachhochschule Dortmund bei Prof. Hans Meyer-Veden und Prof. Pan Walther. Freier Fotograf, seit 1989 Fotoreporter für die Nachrichtenagentur REUTERS. 2000-2010 Leiter des REUTERS Bilderdienstes in Israel und den Palestinensischen Gebieten, China und Indien. Seit 2011 Global Editor des Internationalen Bilderdienstes REUTERS in London.


Ausstellungseröffnung „Die 80er im Ruhrgebiet“

Ein Heimspiel! (Und das gleich im doppelten Sinn.)
Knapp 10 Minuten Fußweg von zuhause einmal quer durch den Stadtteil und ich bin (mit meiner charmanten Begleitung) in der Galerie „Clowns & Pferde“ in Essen-Frohnhausen.
Essen Frohnhausen?
Das ist eigentlich nicht der Ort, an dem man auf den ersten Blick große Kunst erwarten würde.
Aber das täuscht. Neben diversen Ateliers und Proberäumen gibt es hier auch eine zwar kleine, aber sehr rege Galerie namens „Clowns und Pferde“.
Die Galeristin Bianca Wickinghoff zeigt dort wechselnde Ausstellungen aus vielen Bereichen der zeitgenössischen Kunst und so natürlich auch aus dem Spektrum der Fotografie.
Vorgestern, am Freitagabend, wurde dort die Fotoausstellung „Die 80er im Ruhrgebiet“ eröffnet.  Die Fotos von Reinhard Krause sind mittlerweile auch in den großen online-Medien von Spiegel online („Krauses Bilder zeigen die Tristesse und die Komik einer vom Wirtschaftsleben gezeichneten Region“) bis Stern angekommen und natürlich zeigt der Fotograf die Bilder auch auf seiner Website.

Déjà-vu

Wer jetzt meint, ein kleines Déjà-vu zu haben: Ja, eine Ausstellung mit Bildern aus der gleichen Bildreihe wurde auch schon im Juli in der Galerie Pingpong in der Trinkhalle in Bochum gezeigt. Ich habe damals dazu einen kleinen Bericht geschrieben, weil ich auch von der erfrischend anderen Art der Ausstellungseröffnung angetan war.

Auch diesmal war die Ausstellungseröffnung etwas ganz spezielles. Als wir an der Galerie ankamen war es noch recht früh und der Besucherandrang überschaubar. Aber das änderte sich rapide, je näher der Termin der offiziellen Eröffnung kam. Die beiden Ausstellungsräume der kleinen Galerie waren schnell voll und viele Besucher blieben auf den Bürgersteigen und sahen von draußen durch die großen Schaufenster zu.
Die Eröffnungsrede hielt Peter Liedtke vom Pixelprojekt Ruhrgebiet. Er nahm uns dabei mit auf eine kleine gedankliche Zeitreise in die 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts, als diese Fotos entstanden.

Der Ort

Die Situation hatte etwas sehr vertrautes, fast schon familiäres. Und das passt auch zu der besonderen Situation der Bilder an speziell diesem Ort, denn hier in Frohnhausen hat das ganze noch eine andere Qualität.
In diesem Stadtteil sind die Bilder quasi zu Hause, wie Reinhard Krause bei der Eröffnung selber sagte. Er hat hier selber viele Jahre gewohnt, und so liegt es auf der Hand, dass etliche der ausgestellten Straßenszenen damals in der direkten Umgebung der Galerie (die es zu der Zeit natürlich noch nicht gab, dort war, wenn ich mich recht entsinne, ein Gemüseladen) aufgenommen wurden.

Umfeld

Das ist also ein gute Gelegenheit, nach dem Besuch der Ausstellung noch ein kleine eigene Exkursion in die Jetztzeit, also quasi die 10er Jahre zu machen. Die auf dem Foto oben als Hintergrund für die Regenschirmdemo abgebildete Bushaltestelle (Wickenburg) ist 10 Fußminuten entfernt und auf dem Weg dahin kommt man am Entstehungsort der Polterabendbilder vorbei. Der „Stone-Washed-Karottenjeans-Charme“ der 80iger ist zwar auch in Frohnhausen vorbei, aber man kann an einigen Ecken die Zeit noch durchschimmern sehen. Da ich unter meinen Lesern viele Fotografierende habe: Macht Fotos!
Und in 30 Jahren freuen wir uns vielleicht über diese in 2016 entstandene Dokumentation.

Die Ausstellung

Zurück zur Ausstellung. Sie unterscheidet sich sehr deutlich von der in der Galerie Pingpong. Da es einen neuen Kurator (Matthias Tränkle) gab, ist die Auswahl und Zusammenstellung der Bilder deutlich unterschiedlich. Aber natürlich sind auch die bekannten Motive vom kleinen Indianer bis zu den Kneipenszenen oder dem karnevalistischen „Ringelpiez mit Anfassen“ zu sehen.
Auch die Präsentation ist ganz anders, die in Bochum die Fotografien verbindende Themenklammer ist viel schwächer zu spüren. Alle Aufnahmen sind jetzt einzeln gerahmt und sie wirken so, als Einzelbilder, zum Teil ganz anders.
Gerade auch dann, wenn man die erste Ausstellung bereits gesehen hat, ist das ein weiterer Grund, sich auch bei „Clowns & Pferde“ in Ruhe umzusehen.
Und für alle, die die Ausstellung in der Galerie „Pingpong“ verpasst haben, ist das eine weitere Chance, sich diese Fotografien anzusehen und auf ein kleine Heimat-Zeit-Reise zu gehen
Definitiv: Besuchsempfehlung!  (tom-striewisch.de/)


Gerade Straßen, gerade Leute

Reinhard Krause hat die achtziger Jahre im Ruhrgebiet fotografiert – eine Zwischenzeit

Für Reinhard Krause war es ein Leben von Bild zu Bild, damals zu Beginn der achtziger Jahre im Ruhrgebiet. Krause, gerade Anfang zwanzig, wollte Fotograf werden. Er stand morgens auf, überlegte, was anstehe – DGB-Demo, Wettbewerb um den Mister Pilswampe 1984 –, dann ging er auf die Straße und trieb sich herum. Um das Skurrile im Alltäglichen zu suchen und es mit seiner Kamera festzuhalten. Er entwickelte die Filme im Keller oder in der Badewanne und bot die Abzüge Zeitungsredaktionen an. Das Geld reichte, um die nächste Filmrolle zu kaufen. Heute ist Reinhard Krause Bildchef der Fotoagentur Reuters in London. In den Achtzigern lebte er im Ruhrgebiet, in Essen, spä- ter in Dortmund. Seine Bilder und Negative aus dieser Zeit lagerten lange in Umzugskartons. Vor einiger Zeit hat er sie hervorgeholt, abgestaubt und eingescannt. Aus den einzelnen Tagewerken wird im Rückblick eine Fotoarbeit über das Ruhrgebiet in einer Zwischenzeit. Es gibt kaum Zechen, Ruß und Kumpel auf seinen Bildern. „Die ganzen Klischees, die alle immer suchen, die Schwerindustrie, das gab es fast nicht mehr. Es ging etwas vorbei“, sagt Krause. Das Geschäft mit Kohle und Stahl hatte seinen Zenit hinter sich. Entlassungen folgten, Ungewissheit. Statt erschöpften Bergleuten liegt da also der brustbehaarte Macho im Schwimmbad und runzelt die Stirn. Das Foto gehört zu den lauten, direkten unter den Arbeiten. Neben ihnen stehen die stilleren Bilder. Das Paar auf dem Bürgersteig, zwei Putzeimer, ein Auto, sie bückt sich mit dem Lappen, er steht im Anzug dahinter. Es sind nicht einzelne Aufnahmen, konkrete Motive, die den Reiz von Krauses Sammlung ausmachen, es ist die Stimmung, die beim Betrachten seiner Bilder über einen kommt. Das Graue, das Gerade. Gerade Straßen, gerade Menschen. Reinhard Krause hat seine wiederentdeckten Bilder bei Facebook hochgeladen. Menschen begannen, sie zu kommentieren, erkannten sich wieder, erinnerten sich an Momente eines vergangenen Alltags. Den Tag, an dem der Stuntman mit dem Raketenrucksack über ihrer Siedlung abhob. „Die Fotos zeichnen einen Aufbruch nach, den keiner verstanden hat“, sagt Reinhard Krause. Im Nachhinein denkt er, es war der Wandel von Provinz zu einem kulturellen Raum. Kleine Ateliers entstanden, autonome Zentren. „Eigentlich war das Ruhrgebiet immer ein Konglomerat von unheimlich langweiligen Siedlungen. Lärmschutzwände, Reihenhäuser, Nachkriegsbauten, Autos.“ Im Prinzip, sagt Krause, sei vieles häufig eher traurig gewesen. Mit dem zeitlichen Abstand verliert sich die Traurigkeit. Man sehnt sich nicht in diese Jahre zurück, aber man kann sich ohne schlechte Gefühle in sie hineinsehen.

Fabian Rasem (TAZ AM WOCHENENDE)


Ruhrgebiet in den Achtzigern Pudel, Wampen, Männerchöre Tausende Fotos hat Reinhard Krause in den Achtzigerjahren im Ruhrgebiet geschossen. Seine Aufnahmen zeigen eine Region zwischen Frohsinn und Wirtschaftssterben, Lebensfreude und Tristesse. Nun werden die besten ausgestellt. Von Marc von Lüpke Montag, 25.07.2016 – 11:19 Uhr Der Schatz lagerte in einem Umzugskarton. Hunderte Filmrollen, Tausende Bilder, die Reinhard Krause in den Achtzigerjahren in seiner Heimat aufgenommen hatte. Zu sehen sind Jungs, die vor einer gigantischen Hochofenkulisse Fußball spielen - und der Gewinner des "Mister Pilswampe"-Wettbewerbs 1984, der stolz seinen mächtigen Vorbau präsentiert. Typisch Ruhrgebiet. Dreißig Jahre lang lebte der gebürtige Essener Krause im Pott und erkundete die Region mit der Kamera. Entwickelt hat er seine Bilder in der Badewanne. Krause besuchte die Pudelschau in Oberhausen und war Augenzeuge, wie erwachsene Männer auf allen vieren leicht bekleideten Mädels im Leopardenkostüm hinterherkrabbelten. Rosenmontag halt. "Gut, diese Karnevalsbilder sind natürlich ein Schenkelklopfer", sagt der Fotograf. "Aber es sind dann doch die eher stilleren Aufnahmen, die heute bei den Menschen im Ruhrgebiet das größte Interesse finden." Bilder vom Schrubberverkauf in der Essener Innenstadt. Oder vom Discounter nebenan, dem ein Sprayer mit fragwürdigen Rechtschreibkenntnissen eine endgültige Schließung androhte: "Vorsicht! Sprengung RAF Heute Vorsich!" "Ich ärgere mich manchmal, dass ich nicht noch mehr Bilder gemacht habe", sagt Krause, Jahrgang 1959. Vor einigen Jahren hat der heute in London lebende Fotochef der Nachrichtenagentur Reuters begonnen, Teile seiner Ruhrgebietsbilder im Internet zu zeigen. Mittlerweile präsentiert er jede Woche auf Facebook ein neues Bild aus seinem Fundus. Aktuell sind seine besten Bilder in der Bochumer "Ping Pong Gallery c/o Trinkhalle" in der Ausstellung "Die 80er im Ruhrgebiet" zu sehen. Krause versteht seine Fotografien als "Liebeserklärung" an den Pott und seine Menschen. An die Kneipengäste, die ihm mit den Worten "Ja, Junge, mach mal" erlaubten, sie zu fotografieren. An verschwundene Supermärkte wie coop, an Punker, Diskotheken, Konzerte, Schlägereien, Pommesbuden und den Ruhrschnellweg. Seit 1989 lebt Reinhard Krause nicht mehr im Pott. Trotzdem hat sich eine Tatsache nicht geändert: "Für mich ist das Ruhrgebiet immer noch Heimat." Breakdance in der Innenstadt, Käffchen an der Ruhr - einestages zeigt eine Auswahl der Schnappschüsse.

Ruhrgebiet in den Achtzigern

Pudel, Wampen, Männerchöre

Tausende Fotos hat Reinhard Krause in den Achtzigerjahren im Ruhrgebiet geschossen. Seine Aufnahmen zeigen eine Region zwischen Frohsinn und Wirtschaftssterben, Lebensfreude und Tristesse. Nun werden die besten ausgestellt. Von Marc von Lüpke

Montag, 25.07.2016 – 11:19 Uhr

Der Schatz lagerte in einem Umzugskarton. Hunderte Filmrollen, Tausende Bilder, die Reinhard Krause in den Achtzigerjahren in seiner Heimat aufgenommen hatte. Zu sehen sind Jungs, die vor einer gigantischen Hochofenkulisse Fußball spielen - und der Gewinner des "Mister Pilswampe"-Wettbewerbs 1984, der stolz seinen mächtigen Vorbau präsentiert. Typisch Ruhrgebiet.

Dreißig Jahre lang lebte der gebürtige Essener Krause im Pott und erkundete die Region mit der Kamera. Entwickelt hat er seine Bilder in der Badewanne. Krause besuchte die Pudelschau in Oberhausen und war Augenzeuge, wie erwachsene Männer auf allen vieren leicht bekleideten Mädels im Leopardenkostüm hinterherkrabbelten. Rosenmontag halt.

"Gut, diese Karnevalsbilder sind natürlich ein Schenkelklopfer", sagt der Fotograf. "Aber es sind dann doch die eher stilleren Aufnahmen, die heute bei den Menschen im Ruhrgebiet das größte Interesse finden." Bilder vom Schrubberverkauf in der Essener Innenstadt. Oder vom Discounter nebenan, dem ein Sprayer mit fragwürdigen Rechtschreibkenntnissen eine endgültige Schließung androhte: "Vorsicht! Sprengung RAF Heute Vorsich!"

"Ich ärgere mich manchmal, dass ich nicht noch mehr Bilder gemacht habe", sagt Krause, Jahrgang 1959. Vor einigen Jahren hat der heute in London lebende Fotochef der Nachrichtenagentur Reuters begonnen, Teile seiner Ruhrgebietsbilder im Internet zu zeigen. Mittlerweile präsentiert er jede Woche auf Facebook ein neues Bild aus seinem Fundus.

Aktuell sind seine besten Bilder in der Bochumer "Ping Pong Gallery c/o Trinkhalle" in der Ausstellung "Die 80er im Ruhrgebiet" zu sehen. Krause versteht seine Fotografien als "Liebeserklärung" an den Pott und seine Menschen. An die Kneipengäste, die ihm mit den Worten "Ja, Junge, mach mal" erlaubten, sie zu fotografieren. An verschwundene Supermärkte wie coop, an Punker, Diskotheken, Konzerte, Schlägereien, Pommesbuden und den Ruhrschnellweg.

Seit 1989 lebt Reinhard Krause nicht mehr im Pott. Trotzdem hat sich eine Tatsache nicht geändert: "Für mich ist das Ruhrgebiet immer noch Heimat."

Breakdance in der Innenstadt, Käffchen an der Ruhr - einestages zeigt eine Auswahl der Schnappschüsse.


  Lebensgefühl der 80er Geschichten aus dem Pott Aufnahmen aus dem Ruhrgebiet der 70er und 80er Jahre. Eine längst vergangene Zeit? Nicht ganz, dem Fotojournalisten Reinhard Krause geht es um Mentalitäten, nicht um Momentaufnahmen. Erstaunlich, was die Kuratorin Ulrike Kaßler da auf die Beine gestellt hat in der Ping Pong Gallery - wie der Name schon sagt eingebettet in den Tischtennisraum der ebenso wunderbaren "Trinkhalle" von Tom Gawlik. Trinken und Kunst und Tischtennis spielen, darum geht's, alles dabei was Mensch braucht, im Pott und auch sonstwo. Das Ruhrgebiet ist auch das Thema der neuen Ausstellung: Der international ausgezeichnete Fotojournalist Reinhard Krause hat sein Fotoarchiv geöffnet - und zu Tage treten wahrhaft atemberaubende Bilder aus westdeutschen Landen. Der Ruhrpott hatte bis in die 80er einen "Pulsschlag aus Stahl", seitdem kommt man - ökonomisch - nicht mehr recht auf die Beine. Von Kirchturmdenken ist immer wieder die Rede, von Versagen in der Strukturpolitik. Wahre Typen auf der Cranger Kirmes Das alles ist in den Bildern Reinhard Krauses aber noch kein Thema. Krauses fotografischer Trip durch den Pott nahm bei Krupp seinen Anfang, in der Härterei - malochen am Ofen also. Krause knipste da mal seine ersten Bilder mit einer kleinen Kamera und kam auf den Geschmack - es folgte ein Fotografiestudium in Dortmund. Mit der Zeit enstand so ein faszinierendes Portrait einer nach Anerkennung kämpfenden Region. Die Bilder strahlen eher eine Wir-im-Pott-sind-wieder-wer Attitüde aus, die allerdings die Minderwertigkeitsgefühle durch den nicht ganz gelungenen Strukturwandel schon vorweg nimmt. Stolze Menschen sind das. Es ist ein Blick in eine fast theaterhafte Welt voller Typen vor grauer Kulisse. Aber der Dreck aus den Öfen hat nicht weiter gestört, man hat es sich trotzdem schön gemacht. Man war ja wer - man arbeitete ja auch schwer, da konnte man auf der Cranger Kirmes schon mal Fünfe gerade sein lassen. Ein Blick zurück nach vorne Freilich wirft die Ausstellung einen Blick zurück in die vermeintlich guten, alten 80er - aber die Menschen im Pott, die haben sich nicht groß verändert, sind immer noch stolz und geradeaus. Sie machen eben ihr Ding, trotz allem. Vom 23. Juli 2016 bis zum 4. September 2016 zeigt die Ping Pong Gallery c/o Trinkhalle in Bochum die Ausstellung "Die 80er im Ruhrgebiet" mit Fotografien von Reinhard Krause. Kuratiert von Ulrike Kassler und Hendrik Lietmann. Tom Vargen  

 

Lebensgefühl der 80er

Geschichten aus dem Pott

Aufnahmen aus dem Ruhrgebiet der 70er und 80er Jahre. Eine längst vergangene Zeit? Nicht ganz, dem Fotojournalisten Reinhard Krause geht es um Mentalitäten, nicht um Momentaufnahmen.

Erstaunlich, was die Kuratorin Ulrike Kaßler da auf die Beine gestellt hat in der Ping Pong Gallery - wie der Name schon sagt eingebettet in den Tischtennisraum der ebenso wunderbaren "Trinkhalle" von Tom Gawlik. Trinken und Kunst und Tischtennis spielen, darum geht's, alles dabei was Mensch braucht, im Pott und auch sonstwo. Das Ruhrgebiet ist auch das Thema der neuen Ausstellung: Der international ausgezeichnete Fotojournalist Reinhard Krause hat sein Fotoarchiv geöffnet - und zu Tage treten wahrhaft atemberaubende Bilder aus westdeutschen Landen. Der Ruhrpott hatte bis in die 80er einen "Pulsschlag aus Stahl", seitdem kommt man - ökonomisch - nicht mehr recht auf die Beine. Von Kirchturmdenken ist immer wieder die Rede, von Versagen in der Strukturpolitik.

Wahre Typen auf der Cranger Kirmes

Das alles ist in den Bildern Reinhard Krauses aber noch kein Thema. Krauses fotografischer Trip durch den Pott nahm bei Krupp seinen Anfang, in der Härterei - malochen am Ofen also. Krause knipste da mal seine ersten Bilder mit einer kleinen Kamera und kam auf den Geschmack - es folgte ein Fotografiestudium in Dortmund. Mit der Zeit enstand so ein faszinierendes Portrait einer nach Anerkennung kämpfenden Region. Die Bilder strahlen eher eine Wir-im-Pott-sind-wieder-wer Attitüde aus, die allerdings die Minderwertigkeitsgefühle durch den nicht ganz gelungenen Strukturwandel schon vorweg nimmt. Stolze Menschen sind das. Es ist ein Blick in eine fast theaterhafte Welt voller Typen vor grauer Kulisse. Aber der Dreck aus den Öfen hat nicht weiter gestört, man hat es sich trotzdem schön gemacht. Man war ja wer - man arbeitete ja auch schwer, da konnte man auf der Cranger Kirmes schon mal Fünfe gerade sein lassen.

Ein Blick zurück nach vorne

Freilich wirft die Ausstellung einen Blick zurück in die vermeintlich guten, alten 80er - aber die Menschen im Pott, die haben sich nicht groß verändert, sind immer noch stolz und geradeaus. Sie machen eben ihr Ding, trotz allem.

Vom 23. Juli 2016 bis zum 4. September 2016 zeigt die Ping Pong Gallery c/o Trinkhalle in Bochum die Ausstellung "Die 80er im Ruhrgebiet" mit Fotografien von Reinhard Krause. Kuratiert von Ulrike Kassler und Hendrik Lietmann.

Tom Vargen

 



Fotografische Liebeserklärung Reinhard Krause muss um die Magie gewusst haben, die er da in den 80er-Jahren mit seiner Kamera im Ruhrgebiet eingefangen hat, ist er doch Kind des Potts und hat er dort auch Fotodesign studiert.  Dennoch: Die Bilder wanderten irgendwann samt Negative in Umzugskartons und gerieten mehr und mehr in Vergessenheit. Als der heute 57-jährige Krause die Werke wiederentdeckte und ins Netz stellte, fanden Betrachter plötzlich ihre eigene Biografie wieder.  Der Artikel erschien im HEiNZ-Magazin 7/16 http://roberttargan.tumblr.com/

Fotografische Liebeserklärung

Reinhard Krause muss um die Magie gewusst haben, die er da in den 80er-Jahren mit seiner Kamera im Ruhrgebiet eingefangen hat, ist er doch Kind des Potts und hat er dort auch Fotodesign studiert. 

Dennoch: Die Bilder wanderten irgendwann samt Negative in Umzugskartons und gerieten mehr und mehr in Vergessenheit. Als der heute 57-jährige Krause die Werke wiederentdeckte und ins Netz stellte, fanden Betrachter plötzlich ihre eigene Biografie wieder. 

Der Artikel erschien im HEiNZ-Magazin 7/16

http://roberttargan.tumblr.com/


Ausstellung Fotografien blicken zurück auf die 1980er Jahre 18.07.2016 | 07:04 Uhr Fotografien blicken zurück auf die 1980er Jahre | WAZ.de -   Bochum.  Die Ping Pong Gallery in der „Trinkhalle“ zeigt ab dem Wochenende sehenswerte Schwarzweiß-Aufnahmen von Reinhard Krause. Die 80er Jahre sind noch gar nicht sooo lange vorbei, aber wie sehr sich alles verändert hat seit der Zeit vor 30, 35 Jahren, das belegt eine sehenswerte Fotoausstellung, die ab dem Wochenende in der Ping Pong Gallery geboten wird. Sie versammelt authentische s/w-Fotografien von Reinhard Krause, die belegen, was den „Ruhrpott“ einst ausmachte. Und damit sind nicht bloß rauchende Schlote gemeint. Motive „umme Ecke“ gefunden Krauses Fotografien geistern schon geraume Zeit durchs Internet und stoßen dort auf lebhaftes Interesse. Dabei war die Wiederentdeckung der eindrücklichen Aufnahmen eher Zufall. Längst lebt der international ausgezeichnete Reuters-Fotograf Krause, ein Kind des Ruhrgebiets, in London. Zu Beginn seiner Laufbahn fotografierte er überall in seinem Lebensumfeld und stieß in dabei in unbekannte Gefilde vor, die doch gleich „umme Ecke“ lagen. Seine Ruhrpott-Fotos entwickelte Krause vor Jahrzehnten in seinem Essener Badezimmer, danach verschwanden sie samt der Negative in Umzugskartons und wurden vergessen. Eine halbe Ewigkeit später entdeckte Krause die Fotos neu. Fasziniert von den persönlichen Erinnerungen und doch mit professioneller Distanz, stellte der inzwischen 57-jährige seine Fotos ins Internet – und war verwundert, auf welch’ großes Interesse sie stießen. Alltagsszenen Tausende erkannten sich, verstorbene Verwandte oder einfach ihre eigene Geschichte wieder. Das alte Ruhrgebiet, so schien es auf einmal, ist doch nicht vergangen, auf Krauses Fotos ist es konserviert. Da steht die Riesenkulisse der Thyssen-Hütte schwarz und bedrohlich in der Landschaft, da sieht man Alltagszenen zwischen Frust & Lust aus der Kneipe und vonne Kirmes. Oder man blickt immer wieder auf schreckliche Wohnklötze und Einkaufszentren, die sogleich den Sponti-Spruch von damals ins Gedächtnis rufen: „Schade, dass Beton nicht brennt!“ Der herbe Charme des Ungezähmten Dabei sind Krauses Aufnahmen weder alt noch nostalgisch. Sie wirken vielmehr vertraut und zeigen doch eine Welt, die es nicht mehr gibt. Der eigentümliche Charme des Ruhrpotts, seine Menschen und ihre Lebensart, sie sind eben doch nicht auszurotten: Typen, Kulissen, bauliche Verwerfungen, der herbe Charme des Ungezähmten. „Meine Fotos sind subjektiv, aber sie sind keine Abrechnung mit dem Ruhrgebiet, eher eine Liebeserklärung“, sagt Krause. Jürgen Boebers-Süßmann  

Ausstellung
Fotografien blicken zurück auf die 1980er Jahre
18.07.2016 | 07:04 Uhr


Fotografien blicken zurück auf die 1980er Jahre | WAZ.de -

 

Bochum.  Die Ping Pong Gallery in der „Trinkhalle“ zeigt ab dem Wochenende sehenswerte Schwarzweiß-Aufnahmen von Reinhard Krause.


Die 80er Jahre sind noch gar nicht sooo lange vorbei, aber wie sehr sich alles verändert hat seit der Zeit vor 30, 35 Jahren, das belegt eine sehenswerte Fotoausstellung, die ab dem Wochenende in der Ping Pong Gallery geboten wird. Sie versammelt authentische s/w-Fotografien von Reinhard Krause, die belegen, was den „Ruhrpott“ einst ausmachte. Und damit sind nicht bloß rauchende Schlote gemeint.

Motive „umme Ecke“ gefunden
Krauses Fotografien geistern schon geraume Zeit durchs Internet und stoßen dort auf lebhaftes Interesse. Dabei war die Wiederentdeckung der eindrücklichen Aufnahmen eher Zufall. Längst lebt der international ausgezeichnete Reuters-Fotograf Krause, ein Kind des Ruhrgebiets, in London. Zu Beginn seiner Laufbahn fotografierte er überall in seinem Lebensumfeld und stieß in dabei in unbekannte Gefilde vor, die doch gleich „umme Ecke“ lagen. Seine Ruhrpott-Fotos entwickelte Krause vor Jahrzehnten in seinem Essener Badezimmer, danach verschwanden sie samt der Negative in Umzugskartons und wurden vergessen.


Eine halbe Ewigkeit später entdeckte Krause die Fotos neu. Fasziniert von den persönlichen Erinnerungen und doch mit professioneller Distanz, stellte der inzwischen 57-jährige seine Fotos ins Internet – und war verwundert, auf welch’ großes Interesse sie stießen.

Alltagsszenen
Tausende erkannten sich, verstorbene Verwandte oder einfach ihre eigene Geschichte wieder. Das alte Ruhrgebiet, so schien es auf einmal, ist doch nicht vergangen, auf Krauses Fotos ist es konserviert. Da steht die Riesenkulisse der Thyssen-Hütte schwarz und bedrohlich in der Landschaft, da sieht man Alltagszenen zwischen Frust & Lust aus der Kneipe und vonne Kirmes. Oder man blickt immer wieder auf schreckliche Wohnklötze und Einkaufszentren, die sogleich den Sponti-Spruch von damals ins Gedächtnis rufen: „Schade, dass Beton nicht brennt!“

Der herbe Charme des Ungezähmten
Dabei sind Krauses Aufnahmen weder alt noch nostalgisch. Sie wirken vielmehr vertraut und zeigen doch eine Welt, die es nicht mehr gibt. Der eigentümliche Charme des Ruhrpotts, seine Menschen und ihre Lebensart, sie sind eben doch nicht auszurotten: Typen, Kulissen, bauliche Verwerfungen, der herbe Charme des Ungezähmten. „Meine Fotos sind subjektiv, aber sie sind keine Abrechnung mit dem Ruhrgebiet, eher eine Liebeserklärung“, sagt Krause.

Jürgen Boebers-Süßmann
 


Ping Pong Gallery c/o Trinkhalle | Herner Straße 8 | 44787 Bochum 23.07.2016 | 19 Uhr | Vernissage Die 80er im Ruhrgebiet fotografiert von Reinhard Krause Einführung von Stephan Strsembski | Kunsthistoriker Soundtrack von Somali Vom 23.07.2016.bis zum 04.09.2016 zeigt die Ping Pong Gallery c/o Trinkhalle in Bochum die Ausstellung „Die 80er im Ruhrgebiet“ mit Fotografien von Reinhard Krause, kuratiert von Ulrike Kaßler und Hendrik Lietmann. Der international ausgezeichnete Fotograf Reinhard Krause ist ein Kind des Ruhrgebiets. Hier hat er 30 Jahre lang gelebt, hier hat er Fotodesign studiert, und von hier ist er in die Welt gezogen. Zu Beginn seiner Laufbahn fotografiert er ständig und überall in seinem direkten Lebensumfeld, entdeckt fremde Orte seiner Nachbarschaft und stößt in gänzlich unbekannte Gefilde vor, die doch gleich nebenan liegen. Die Bilder der Ausstellung wurden vor Jahrzehnten im tiefen Dunkel eines Essener Badezimmers entwickelt. Danach verschwanden sie samt der Negative in Umzugskartons, reisten um die Welt und wurden irgendwann vergessen. Eine halbe Ewigkeit und eine ganze Bildjournalisten-Karriere später entdeckt Krause die Fotos wieder. Fasziniert von den persönlichen Erinnerungen und doch mit professioneller Distanz stellt der inzwischen 57jährige, seit 2011 Global Editor des Internationalen Bilderdienstes von Reuters, die Fotografien ins Internet - nicht ahnend, welche Wellen der Stein in seiner alten Heimat schlagen würde, den er im fernen London beiläufig ins Wasser warf. Tausende Fans folgen seinen fortlaufenden Veröffentlichungen. Sie erkennen sich selbst, längst verstorbene Anverwandte oder einfach ihre eigene Geschichte wieder. Die Presse wurde aufmerksam, ist hingerissen und attestiert den Bildern das Zeug zu Foto-Ikonen des Ruhrgebiets. Was nicht zuletzt daran liegen mag, dass Reinhard Krauses Aufnahmen weder alt noch nostalgisch zu nennen sind. Sie wirken verblüffend frisch und vertraut. „Ich habe damals in den achtziger Jahren das Ruhrgebiet als faszinierenden Kulturraum erlebt, den Strukturwandel und die vielen damit verbundenen Ungereimtheiten empfand ich eher als Chance denn als Hemmnis. Meine Fotos sind sehr subjektiv, aber sie sind keine Abrechnung, sondern eher eine Liebeserklärung.“ Öffnungszeiten: MO–DO | 17-22 Uhr || FR–SO | 15-22 Uhr. Finissage: 04.09.2016 Reinhard Krause wird zur Ausstellungseröffnung anwesend sein.   Bochumer Ausstellung sorgt für landesweite Aufmerksamkeit Ob Fotos aus der heutigen Zeit in 30/40 Jahren auch so verdammt cool aussehen werden? Vermutlich nur, wenn sie durch die Linse von jemand ähnlich begabten wie dem Fotochef der Bildagentur Reuters, Reinhard Krause, geschossen wurden. Der Ruhrgebietler hatte in den 80ern tausende Fotos im Revier geschossen und beschert uns damit nun eine faszinierende Sammlung aus Trinkexzessen, Klassenkampf und Alltagsgeschehen. Die Wahl zum Mr. Bierbauch, Prügelszenen auf der Kirmes oder ein Blick ins Grugabad sind nur einige Highlights der Bilder (...) Auch ohne Ruhrpottnostalgie sind die Schwarzweißaufnahmen übrigens sehenswert, weil sie einen nahen und häufig humorvollen Einblick in das Leben im Ruhrgebiet der 80er Jahre geben. (coolibri.de)   Crange, Kundgebung und Kino: Fotoausstellung zeigt "Die 80er im Ruhrgebiet" Teenager beim Kirmes-Besuch in Crange, ein Bier auf der Gewerkschaftskundgebung in Dortmund und ein Kinobesuch in der "Lichtburg". Der Fotograf Reinhard Krause dokumentierte zu Beginn seiner Laufbahn das Alltagsleben im Ruhrgebiet.(...)Die Schwarz-Weiß-Bilder zeugen von der Alltagskultur, von Gewohnheiten und dem besonderen Charakter des Lebens im industriell geprägten Ruhrgebiet. (westfalen-heute.de) Kunst rund um den Tischtennistisch: Ping Pong Gallery zeigt aktuell Werke des Fotografen Reinhard Krause Als „dicken Fisch“ bezeichnet Ulrike Kaßler, Gründerin und Kuratorin der Ping Pong Gallery an der Herner Straße 8, den Bildjournalisten Reinhard Krause, den sie für ihre aktuelle Ausstellung gewinnen konnte. 70 seiner in den 1980er Jahren entstandenen Bilder zeigt der international ausgezeichnete Fotograf in der Galerie, die erst im September 2015 Eröffnung feierte. (...) Und nun also Reinhard Krause, Kind des Ruhrgebiets, das mittlerweile als Global Editor des internationalen Bilderdienstes der Nachrichtenagentur Reuters in London lebt. Als Kaßler dessen Fotos, die er vor und während seines Fotodesign-Studiums aufgenommen hatte, im Internet entdeckte, „war ich völlig geflasht. Die hatte ich noch nie woanders gesehen.“ Da auch diese Bilder sie nicht mehr losließen, schrieb sie Krause eine E-Mail und bekam prompt die Zusage, die Fotos als erste Galerie ausstellen zu dürfen. "Die 80er im Ruhrgebiet" Einen Haken hatte die Sache allerdings, denn Krause selbst hatte nicht die Zeit, sich um die Vorbereitung der Ausstellung zu kümmern. Macht einfach, habe seine Antwort gelautet. „Das war schön, aber eine Herausforderung“, erzählt Ulrike Kaßler, die sich daraufhin Hendrik Lietmann als Co-Kurator zur Hilfe holte. Gemeinsam produzierten sie die Werke, die nur als Scans vorlagen, und kreierten das Layout für die Ausstellung „Die 80er im Ruhrgebiet“. (...) Weder mit solch einem „dicken Fisch“ bei der erst vierten Ausstellung noch mit dem Echo darauf hatte Kaßler gerechnet. So haben unter anderem die Internetredaktionen zweier großer deutscher Wochenmagazine über die Schau berichtet. (...) (Lokalcompass.de)

Ping Pong Gallery c/o Trinkhalle | Herner Straße 8 | 44787 Bochum

23.07.2016 | 19 Uhr | Vernissage
Die 80er im Ruhrgebiet
fotografiert von Reinhard Krause
Einführung von Stephan Strsembski | Kunsthistoriker
Soundtrack von Somali

Vom 23.07.2016.bis zum 04.09.2016 zeigt die Ping Pong Gallery c/o Trinkhalle in Bochum die Ausstellung „Die 80er im Ruhrgebiet“ mit Fotografien von Reinhard Krause, kuratiert von Ulrike Kaßler und Hendrik Lietmann.
Der international ausgezeichnete Fotograf Reinhard Krause ist ein Kind des Ruhrgebiets. Hier hat er 30 Jahre lang gelebt, hier hat er Fotodesign studiert, und von hier ist er in die Welt gezogen. Zu Beginn seiner Laufbahn fotografiert er ständig und überall in seinem direkten Lebensumfeld, entdeckt fremde Orte seiner Nachbarschaft und stößt in gänzlich unbekannte Gefilde vor, die doch gleich nebenan liegen.
Die Bilder der Ausstellung wurden vor Jahrzehnten im tiefen Dunkel eines Essener Badezimmers entwickelt. Danach verschwanden sie samt der Negative in Umzugskartons, reisten um die Welt und wurden irgendwann vergessen.
Eine halbe Ewigkeit und eine ganze Bildjournalisten-Karriere später entdeckt Krause die Fotos wieder. Fasziniert von den persönlichen Erinnerungen und doch mit professioneller Distanz stellt der inzwischen 57jährige, seit 2011 Global Editor des Internationalen Bilderdienstes von Reuters, die Fotografien ins Internet - nicht ahnend, welche Wellen der Stein in seiner alten Heimat schlagen würde, den er im fernen London beiläufig ins Wasser warf. Tausende Fans folgen seinen fortlaufenden Veröffentlichungen. Sie erkennen sich selbst, längst verstorbene Anverwandte oder einfach ihre eigene Geschichte wieder. Die Presse wurde aufmerksam, ist hingerissen und attestiert den Bildern das Zeug zu Foto-Ikonen des Ruhrgebiets.
Was nicht zuletzt daran liegen mag, dass Reinhard Krauses Aufnahmen weder alt noch nostalgisch zu nennen sind. Sie wirken verblüffend frisch und vertraut. „Ich habe damals in den achtziger Jahren das Ruhrgebiet als faszinierenden Kulturraum erlebt, den Strukturwandel und die vielen damit verbundenen Ungereimtheiten empfand ich eher als Chance denn als Hemmnis. Meine Fotos sind sehr subjektiv, aber sie sind keine Abrechnung, sondern eher eine Liebeserklärung.“

Öffnungszeiten: MO–DO | 17-22 Uhr || FR–SO | 15-22 Uhr.
Finissage: 04.09.2016
Reinhard Krause wird zur Ausstellungseröffnung anwesend sein.

 

Bochumer Ausstellung sorgt für landesweite Aufmerksamkeit

Ob Fotos aus der heutigen Zeit in 30/40 Jahren auch so verdammt cool aussehen werden? Vermutlich nur, wenn sie durch die Linse von jemand ähnlich begabten wie dem Fotochef der Bildagentur Reuters, Reinhard Krause, geschossen wurden. Der Ruhrgebietler hatte in den 80ern tausende Fotos im Revier geschossen und beschert uns damit nun eine faszinierende Sammlung aus Trinkexzessen, Klassenkampf und Alltagsgeschehen.

Die Wahl zum Mr. Bierbauch, Prügelszenen auf der Kirmes oder ein Blick ins Grugabad sind nur einige Highlights der Bilder (...) Auch ohne Ruhrpottnostalgie sind die Schwarzweißaufnahmen übrigens sehenswert, weil sie einen nahen und häufig humorvollen Einblick in das Leben im Ruhrgebiet der 80er Jahre geben. (coolibri.de)

 

Crange, Kundgebung und Kino: Fotoausstellung zeigt "Die 80er im Ruhrgebiet"

Teenager beim Kirmes-Besuch in Crange, ein Bier auf der Gewerkschaftskundgebung in Dortmund und ein Kinobesuch in der "Lichtburg". Der Fotograf Reinhard Krause dokumentierte zu Beginn seiner Laufbahn das Alltagsleben im Ruhrgebiet.(...)Die Schwarz-Weiß-Bilder zeugen von der Alltagskultur, von Gewohnheiten und dem besonderen Charakter des Lebens im industriell geprägten Ruhrgebiet. (westfalen-heute.de)

Kunst rund um den Tischtennistisch: Ping Pong Gallery zeigt aktuell Werke des Fotografen Reinhard Krause

Als „dicken Fisch“ bezeichnet Ulrike Kaßler, Gründerin und Kuratorin der Ping Pong Gallery an der Herner Straße 8, den Bildjournalisten Reinhard Krause, den sie für ihre aktuelle Ausstellung gewinnen konnte. 70 seiner in den 1980er Jahren entstandenen Bilder zeigt der international ausgezeichnete Fotograf in der Galerie, die erst im September 2015 Eröffnung feierte.

(...)

Und nun also Reinhard Krause, Kind des Ruhrgebiets, das mittlerweile als Global Editor des internationalen Bilderdienstes der Nachrichtenagentur Reuters in London lebt. Als Kaßler dessen Fotos, die er vor und während seines Fotodesign-Studiums aufgenommen hatte, im Internet entdeckte, „war ich völlig geflasht. Die hatte ich noch nie woanders gesehen.“ Da auch diese Bilder sie nicht mehr losließen, schrieb sie Krause eine E-Mail und bekam prompt die Zusage, die Fotos als erste Galerie ausstellen zu dürfen.

"Die 80er im Ruhrgebiet"

Einen Haken hatte die Sache allerdings, denn Krause selbst hatte nicht die Zeit, sich um die Vorbereitung der Ausstellung zu kümmern. Macht einfach, habe seine Antwort gelautet. „Das war schön, aber eine Herausforderung“, erzählt Ulrike Kaßler, die sich daraufhin Hendrik Lietmann als Co-Kurator zur Hilfe holte. Gemeinsam produzierten sie die Werke, die nur als Scans vorlagen, und kreierten das Layout für die Ausstellung „Die 80er im Ruhrgebiet“. (...)
Weder mit solch einem „dicken Fisch“ bei der erst vierten Ausstellung noch mit dem Echo darauf hatte Kaßler gerechnet. So haben unter anderem die Internetredaktionen zweier großer deutscher Wochenmagazine über die Schau berichtet.
(...)

(Lokalcompass.de)


Ein weiterer Neuzuwachs, über den wir uns sehr freuen! Reinhard Krause jetzt bei V like Vintage Das fotografische Archiv des Fotografen Reinhard Krause aus den 80er Jahren wird zukünftig von der Hamburger Agentur V Like Vintage verwaltet und ausgewertet. Die bereits digitalisierten Werke sind ab sofort aufwww.vintage-media.com abrufbar.  Zusätzlich werden ausgesuchte Fotografien aus dem Gesamtbestand über das Fine-Art Label Vintage Print vertrieben (www.vintage-print.photo). Der Fotograf Reinhard Krause arbeitet heute als Global Pictures Editor der Nachrichtenagentur Thomson Reuters in London. Als Krisen und Kriegsreporter war an vielen Brennpunkten dieser Erde. Seine Arbeiten sind preisgekrönt und die Filmdokumentation „Shooting Under Fire“ (2005) wurde vom WDR und National Geographic produziert und mehrfach ausgestrahlt. Reinhard Krause, der im Ruhrgebiet aufgewachsen ist und 30 Jahre lang dort gelebt hat, dokumentierte schon früh sein direktes Lebensumfeld. Fotografiert wurde alles, was in seinem Alltag und Freizeit interessant erschien. Die Filme und Bilder wurden im Badezimmer entwickelt, die Negative landeten dann später in Umzugskartons. Fasziniert von den persönlichen Erinnerungen und mit der nötigen Distanz, hat er alle Negative noch einmal durchgesehen und neu bearbeitet. “Ich habe damals in den achtziger Jahren das Ruhrgebiet als faszinierenden Kulturraum erlebt. Den Strukturwandel und die vielen damit verbundenen Ungereimtheiten empfand ich eher als Chance denn als Hemmnis. Meine Fotos sind sehr subjektiv, aber sie sind keine Abrechnung, sondern eher eine Liebeserklärung, sagt Krause der heute 57-jahre alte Bildjournalist. Die WAZ-Gruppe in Essen schrieb: seine Bilder haben “ ...das Zeug zu Foto-Ikonen. Es mag an den damaligen Frisuren liegen, an der Kleidung, an einer bestimmten Art sich zu geben; auch die fremd wirkende Kargheit, ja Härte mancher Straßenszenen spielt wohl eine Rolle und das heute museal eingehegte Pathos der Schwerindustrie. Wer die Bilder von Reinhard Krause betrachtet, merkt jedenfalls plötzlich, dass auch die 1980er Jahre inzwischen eine ferne Zeit sind, zumal im Ruhrgebiet, zumal in Essen, wo sich in den letzten 30, 40 Jahren unter dem Zeichen des Strukturwandels sehr viel verändert hat.” Die Fotos zeigen das pralle Leben im Revier. Krabbelnde Striptease-Tänzerinnen und dösende Bierleichen, schrille Michael-Jackson-Imitatoren und Rollschuh fahrende Rentner. Aber auch eine fremd wirkende Kargheit, ja Härte mancher Straßenszenen spielen eine Rolle. http://www.vintage-media.com/presse #Vintage #80er #1980er #Ruhrgebiet#ReinhardKrause #Foto #Fotos #Fotografie #Photo#Photos #Photography #RuhrArea #Deutschland#VlikeVintage #VintageMedia

Ein weiterer Neuzuwachs, über den wir uns sehr freuen!

Reinhard Krause jetzt bei V like Vintage

Das fotografische Archiv des Fotografen Reinhard Krause aus den 80er Jahren wird zukünftig von der Hamburger Agentur V Like Vintage verwaltet und ausgewertet.

Die bereits digitalisierten Werke sind ab sofort aufwww.vintage-media.com abrufbar. 

Zusätzlich werden ausgesuchte Fotografien aus dem Gesamtbestand über das Fine-Art Label Vintage Print vertrieben (www.vintage-print.photo).

Der Fotograf Reinhard Krause arbeitet heute als Global Pictures Editor der Nachrichtenagentur Thomson Reuters in London. Als Krisen und Kriegsreporter war an vielen Brennpunkten dieser Erde. Seine Arbeiten sind preisgekrönt und die Filmdokumentation „Shooting Under Fire“ (2005) wurde vom WDR und National Geographic produziert und mehrfach ausgestrahlt.

Reinhard Krause, der im Ruhrgebiet aufgewachsen ist und 30 Jahre lang dort gelebt hat, dokumentierte schon früh sein direktes Lebensumfeld. Fotografiert wurde alles, was in seinem Alltag und Freizeit interessant erschien. Die Filme und Bilder wurden im Badezimmer entwickelt, die Negative landeten dann später in Umzugskartons.

Fasziniert von den persönlichen Erinnerungen und mit der nötigen Distanz, hat er alle Negative noch einmal durchgesehen und neu bearbeitet.

“Ich habe damals in den achtziger Jahren das Ruhrgebiet als faszinierenden Kulturraum erlebt. Den Strukturwandel und die vielen damit verbundenen Ungereimtheiten empfand ich eher als Chance denn als Hemmnis. Meine Fotos sind sehr subjektiv, aber sie sind keine Abrechnung, sondern eher eine Liebeserklärung, sagt Krause der heute 57-jahre alte Bildjournalist.

Die WAZ-Gruppe in Essen schrieb: seine Bilder haben “ ...das Zeug zu Foto-Ikonen. Es mag an den damaligen Frisuren liegen, an der Kleidung, an einer bestimmten Art sich zu geben; auch die fremd wirkende Kargheit, ja Härte mancher Straßenszenen spielt wohl eine Rolle und das heute museal eingehegte Pathos der Schwerindustrie. Wer die Bilder von Reinhard Krause betrachtet, merkt jedenfalls plötzlich, dass auch die 1980er Jahre inzwischen eine ferne Zeit sind, zumal im Ruhrgebiet, zumal in Essen, wo sich in den letzten 30, 40 Jahren unter dem Zeichen des Strukturwandels sehr viel verändert hat.”

Die Fotos zeigen das pralle Leben im Revier. Krabbelnde Striptease-Tänzerinnen und dösende Bierleichen, schrille Michael-Jackson-Imitatoren und Rollschuh fahrende Rentner. Aber auch eine fremd wirkende Kargheit, ja Härte mancher Straßenszenen spielen eine Rolle.

http://www.vintage-media.com/presse

#Vintage #80er #1980er #Ruhrgebiet#ReinhardKrause #Foto #Fotos #Fotografie #Photo#Photos #Photography #RuhrArea #Deutschland#VlikeVintage #VintageMedia


Internetfundstück: „Die 80er im Ruhrgebiet“ von Reinhard Krause

In RuhrgebietKultur | Am 18. Dezember 2015 | Von Robin Patzwaldt

Hin und wieder stolpert man im Internet über ganz bemerkenswerte Fundstücke. Ein ebensolches möchte ich heute unseren Lesern einmal kurz vorstellen, nachdem es uns ‚Ruhrbarone‘ hinter den Kulissen in dieser Woche sehr amüsiert hat.

Die Seite „Die 80er im Ruhrgebiet“ vom Fotografen Reinhard Krause ist nämlich ein wahres Kleinod. Krause zeigt darin dutzende Fotos aus einer längst vergangenen Zeit hier im Westen der Republik. Wer alt genug ist, bei dem wecken die Schwarzweiß-Aufnahmen bestimmt einige Erinnerungen.

Ich habe dieses Internetfundstück nun einmal zum Anlass genommen mit Reinhard Krause direkt Kontakt aufzunehmen, und mir das bemerkenswerte Projekt etwas näher erklären zu lassen.

Hier nun das Ergebnis:

Ruhrbarone: Hallo Reinhard! Schön, dass Du dir für uns ein paar Minuten Zeit nimmst. Wir sind ja kürzlich eher zufällig auf Deinen Blog aufmerksam geworden. Uns haben die alten Ruhrgebiets-Fotos dort sehr gefallen. Vielleicht erläuterst Du uns mal kurz ein paar Hintergründe zu Deiner Person und zu Deinem Projekt…

Krause: Im Ruhrgebiet, in dem ich aufgewachsen bin und 30 Jahre lang gelebt habe, habe ich mein Interesse an der Fotografie entdeckt. Ständig und überall habe ich fotografiert, meist im direkten Lebensumfeld. Doch mit der Kamera stieß ich auch in unbekannte Gefilde vor, konnte fremde Orte in der Nachbarschaft entdecken. Fotografiert habe ich alles was mir in meinem Alltag und Freizeit interessant erschien. Die Filme und Bilder wurden dann von mir in meinem Badezimmer entwickelt, die Negative landeten in Umzugskartons. Doch irgendwann entdeckte ich die Negative wieder. Fasziniert von den persönlichen Erinnerungen habe ich, mit der nötigen Distanz, alle Negative noch einmal durchgesehen und habe sie neu bearbeitet und vor ca. 10 Jahren habe ich sie dann auf einer Webseite ins Internet gestellt. Gerade jetzt habe ich eine neue Version veröffentlich:

www.reinhard-krause-80er.squarespace.com

Die Bilder wurden zwar wahrgenommen aber erst jetzt, nachdem ich sie auf einer Facebook Seite veröffentlich habe, hat sich ein größeres Interesse entwickelt. Es ist sehr schön, dass sich so auch ein Dialog ergeben hat. Viele Leute haben sich oder die Orte dort wiederentdeckt und mir geschrieben.

www.facebook.com/ruhrgebiet.80er/

Ruhrbarone: Was willst Du damit erreichen? Was willst Du dem Betrachter durch die Fotos vermitteln?

Krause: Im Grunde ist es eine Art “Foto-Zeitmaschine”. Erinnerungen an eine bestimmte Zeit kommen wohl periodisch immer wieder… und immer wieder erinnern sich Menschen, die zusammen groß geworden sind, gemeinsam ihrer Jugend. Mode und Musik beeinflussen uns sehr stark und zumeist zunächst sehr unreflektiert. Erst mit der Lebenserfahrung fragt man sich, was man da in den jungen Jahren so angestellt hat. Bilder wecken dabei sehr direkt ganz bestimmte Erinnerungen. Selbst belanglose Straßenszenen werden zu Zeitdokumenten, schon allein wegen der abgebildeten Autos und der Kleidung der fotografierten Menschen. Ich habe damals in den achtziger Jahren das Ruhrgebiet als faszinierenden Kulturraum erlebt. Den Strukturwandel und die vielen damit verbundenen Ungereimtheiten empfand ich eher als Chance denn als Hemmnis. Meine Fotos sind sehr subjektiv aber sie sind keine Abrechnung, sondern eher eine Liebeserklärung.

Ruhrbarone: Machst Du auch gegenwärtig noch regelmäßig Fotos im bzw. vom Ruhrgebiet?

Krause: Nein, ich lebe mittlerweile im Ausland. Solange meine Eltern lebten war ich noch regelmäßig in Essen, jetzt aber schon länger nicht mehr. Vielleicht war das eine Motivation die Bilder wieder neu zu bearbeiten.

Ruhrbarone: Kann man von Dir aktuell noch weitere Bilder im Internet entdecken?

Krause: Ich bin mittlerweile der Chef des internationalen Bilderdienstes der Nachrichtenagentur Reuters in London. Auf meiner Homepage findet man eine Auswahl meiner Arbeiten als Fotoreporter. www.reinhard-krause.de

Ruhrbarone: Vielen Dank für die Infos Reinhard! Wir wünschen Dir und deinen aktuellen und zukünftigen Projekten weiterhin viel Erfolg! Uns haben Deine Bilder sehr gut gefallen, und wir hatten wirklich viel Spaß damit in dieser Woche! Danke auch dafür!

(RUHRBARONE.DE)


Wie Reinhard Krause die 80er im Ruhrgebiet fotografierte

Essen.  Der Fotograf Reinhard Krause ist in Essen aufgewachsen und hat jüngst einige seiner alten Schätze ins Netz gestellt. Sie haben das Zeug zu Foto-Ikonen.

Es mag an den damaligen Frisuren liegen, an der Kleidung, an einer bestimmten Art sich zu geben; auch die fremd wirkende Kargheit, ja Härte mancher Straßenszenen spielt wohl eine Rolle und das heute museal eingehegte Pathos der Schwerindustrie. Wer die Bilder von Reinhard Krause betrachtet, merkt jedenfalls plötzlich, dass auch die 1980er Jahre inzwischen eine ferne Zeit sind, zumal im Ruhrgebiet, zumal in Essen, wo sich in den letzten 30, 40 Jahren unter dem Zeichen des Strukturwandels sehr viel verändert hat.

Der 56-jährige Reinhard Krause, heute Bildjournalist bei der Nachrichtenagentur Reuters in London, gehörte bislang nicht zu den allseits bekannten Foto-Chronisten des Ruhrgebiets. Doch vor kurzem stellte er einen Teil der Aufnahmen aus seiner Essener Jugendzeit auf seine Seite im sozialen Netzwerk Facebook „Die 80er im Ruhrgebiet“ – und fand sofort interessierte Betrachter. Völlig zu Recht. Man spürt sofort, ob ein Fotograf nur in der Nähe war oder wirklich dicht dran, ob er Angst hat oder mutig ist, ob er die Menschen für sich gewinnen kann oder nicht, ob er einen Blick hat für das Besondere, das Faszinierende, das Skurrile. Krauses Bilder zeigen, dass er es kann.

Schon immer fanden Fotografie-Begeisterte die Region faszinierend, weil sie ungeheuer reich ist an Kontrasten. Das ging auch dem jungen Reinhard Krause so, der in Kettwig aufwuchs und sich als Teenager in der Härterei bei Krupp in Altendorf das Geld für seine erste Kamera verdiente.An dieser Stelle ein Hoch auf das alte Jugendzentrum an der Papestraße: „Dort gab es eine Dunkelkammer mit Fotopapier und Chemikalien, und ich konnte immer alles benutzen“, erinnert sich Krause. Jugendarbeit, die offensichtlich von Erfolg gekrönt war.

Erst war das Fotografieren nur Spaß, dann gab’s die ersten Auftraggeber, aber das rein Autodidaktische reichte Krause nicht. Er studierte Fotografie in Dortmund, nebenbei ging er auf ausgedehnte Kamera-Streifzüge mit dem Schwerpunkt Essen, wo er bis 1989 lebte. In der Alt-Disco „Kalei“ (heute Hotel Schanghai) oder im gleichfalls unvergessenen „Pink Palace“ fand Krause ebenso Motive wie beim Karneval, in der Tram, in Bergarbeiterkneipen oder schlicht auf der Straße. Er fotografierte Schlägereien, die aussehen wie arrangiert, aber verdammt ernst waren. „Ich habe auch selbst mal was auf die Mütze gekriegt.“ Berufsrisiko eben. „Ich habe damals gelernt, wie ein Berufsfotograf Konflikte besteht.“ Wertvolle Erfahrungen, die ihm später noch oft von Nutzen waren.

Die Arbeitskämpfe als Fotomotiv

Zur Alltagsfotografie kam das Sozialpolitische. Von den großen Arbeitsplatzkämpfen der 1980er Jahre – als Symbol dafür steht Krupp in Rheinhausen – war Krause wie alle ambitionierten Fotografen elektrisiert. Er hielt aber auch Stadtbilder fest, die es so längst nicht mehr gibt, die die Nähe von Mensch und Industrie dokumentieren. „Ich habe genau gemerkt, im Ruhrgebiet geht gerade etwas zu Ende, und mich ärgert heute, dass ich damals nicht noch viel mehr solche Bilder gemacht habe“, sagt Krause. Doch hätten Kollegen solche Bilder oft als Klischees abgetan, von denen sich ein guter Bildjournalist fernhalten solle. „Man musste sich fast schon rechtfertigen, davon habe ich mich zu sehr beeinflussen lassen.“

Zwei Berufsjahre verbrachte Krause als Unternehmensfotograf bei der Messe Essen, 1989 ergab sich nach der Wende dann die Chance nach Bonn zu Reuters zu gehen. Es folgten Agentur-Stationen in ganz Deutschland, aber auch in Jerusalem, Peking, Neu Delhi, jetzt London – die Welt als Arbeitsplatz, was kann so einen Vollprofi noch beeindrucken.

Doch als er jetzt die Bilder vom Beginn seiner Karriere ins Netz stellte, sei er geradezu überwältigt gewesen von den vielen positiven Reaktionen. Eine Dame fand auf einem Foto ihren verstorbenen Vater und bat um einen Abzug für die über 90-jährige Witwe. Er habe eine alte Frau „sehr glücklich gemacht“, las er später zum Dank. Das, sagt Krause, sei schon sehr bewegend gewesen.

Frank Stenglein (WAZ/NRZ Essen) 


Wilder Westen Ruhrgebiet

Wilder Westen Ruhrgebiet
Essener Fotograf dokumentiert Revier-Bilder aus den 80ern – bei denen es auch mal richtig auf die Omme gibt.
Bitte einsteigen zur Zeitreise in die wilden Achtziger des Reviers!
Der Essener Fotograf Reinhard Krause hat diese Fotos aus den achtziger Jahren aufbewahrt, jetzt ausgepackt – und füttert seitdem täglich die sozialen Netzwerke mit einer schwarz-weißen Aufnahme: analog trifft digital auf Facebook und Instagram. 
Krause: „Wie eine Foto-Zeitmaschine. Heutzutage kann ja jeder mit Smartphones Bilder machen und hochladen.”
Krause ist ein Pott-Kind, fotografierte früh Alltag und Umfeld – und zwar das pralle Leben im Revier, oft abseits von Sozialromantik oder Industriekathedralen. Man kloppt sich, man versöhnt sich, man feiert – und all das immer volle Kanne!
Krause: „Selbst belanglose Straßenszenen werden zu Dokumenten, schon allein wegen der abgebildeten Klamotten und den Autos.”
Den Strukturwandel empfand er immer eher als Chance denn als Hemmnis.
Auch deswegen sagt Reinhard Krause: „Meine Fotos sind sehr subjektiv, aber sie sind keine Abrechnung, sondern eine Liebeserklärung.” (BILD.DE)


Reinhard Krause hat für Nachrichtenagentur Reuters jahrelang in Israel und Palästina sowie in China und Indien gearbeitet. Zurzeit arbeitet der 1959 in Essen geborene Fotograf als "Global Picture Editor" für die Agentur in London. Die meiste Zeit hat Krause aber im Ruhrgebiet gelebt und fotografiert: "Im Ruhrgebiet, in dem ich aufgewachsen bin und 30 Jahre lang gelebt habe, habe ich mein Interesse an der Fotografie entdeckt." Ständig und überall habe er in den 1980ern alles fotografiert, "was mir in meinem Alltag und in meiner Freizeit interessant erschien." Viele dieser Zeitzeugnisse enthält Krauses Fotoband "Die 80er. Fotos aus dem Ruhrgebiet".

Die Filme und Bilder entwickelte der Essener damals im heimischen Badezimmer, die Negative landeten in Umzugskartons. Nach vielen Jahren hat Reinhard Krause sie wiederentdeckt. Fasziniert von den persönlichen Erinnerungen habe er, mit der nötigen Distanz, alle Negative noch einmal durchgesehen und sie neu bearbeitet. Vor zehn Jahren stellte er sie auf eine einer Webseite ins Internet. Krause sagt: "Heute fotografiert fast jeder jeden Tag mit seinem Smartphone und publiziert die Bilder in sozialen Netzwerken. Das fasziniert mich." Auch deshalb veröffentlicht Krause auf der Facebook-Seite "Die 80er im Ruhrgebiet" regelmäßig alte Aufnahmen.

Eher Liebeserklärung ans Ruhrgebiet statt Abrechnung
Reinhard Krause sagt außerdem: "Ich habe damals in den achtziger Jahren das Ruhrgebiet als faszinierenden Kulturraum erlebt, den Strukturwandel und die vielen damit verbundenen Ungereimtheiten empfand ich eher als Chance denn als Hemmnis." Seine Fotos - unsere Galerie zeigt Fotos aus Essen, Duisburg, Mülheim, Dortmund, Gelsenkirchen, Bottrop und Herne - sind sehr subjektiv, so Krause, "aber sie sind keine Abrechnung, sondern eher eine Liebeserklärung."
(WAZ.DE)



Alltag in den Achtzigern
"Wo bleibt denn da die Freude?"
Krabbelnde Striptease-Tänzerinnen und dösende Bierleichen, schrille Michael-Jackson-Imitatoren und Rollschuh fahrende Rentner: Der Fotograf Reinhard Krause hat in den Achtzigerjahren den Ruhrpott porträtiert. Seine hinreißenden Bilder zeigen die Tristesse und die Komik einer vom Wirtschaftssterben gezeichneten Region.

Gute Reportagen, gute journalistische Fotos entstehen, wenn man einem Thema sehr nahe kommen kann. Wenn man sich aber mit seinem direkten Lebensumfeld beschäftigt, kann es besonders schwer werden: Die nötige Distanz fehlt. In den achtziger Jahren habe ich es im Ruhrgebiet versucht, wo ich aufgewachsen bin und 30 Jahre lang gelebt habe. Ständig und überall habe ich fotografiert.

Fotografie bietet die Möglichkeit, den eigenen Alltag, die Straßenbahn vorm Haus und die Bushaltestelle um die Ecke oder den Discobesuch am Wochenende neu zu entdecken. Mit der Kamera kann man in unbekannte Gefilde vorstoßen, fremde Orte in der Nachbarschaft entdecken. Wie sonst hätte man die Möglichkeit, als Nicht-Tänzer das Training des Bayerischen Gebirgstrachtenvereins "Edelweiß" in Duisburg zu besuchen?

Genug Geld konnte ich damit aber nicht verdienen, abgesehen von einer Geschichte über den "Herrenkarneval", die als Titelgeschichte im "Stern" landete, druckten nur die "taz" und die "Zeit" gelegentlich Bilder von mir. Meinen Lebensunterhalt verdiente ich damals als Fotograf bei der Messe Essen und später bei einem Projekt mit arbeitslosen Jugendlichen in Essen-Katernberg. Fotografiert habe ich aber trotzdem weiter alles, was mir in meinem Alltag und in der Freizeit interessant erschien. Im Jahr 1989 verließ ich das Ruhrgebiet, um für die Nachrichtenagentur Reuters zu arbeiten, heute bin ich Chef des Reuters-Bilderdienstes in China.

Erinnerungen in Umzugskartons

Die Negative landeten in Umzugkartons, doch irgendwann habe ich sie dann wiederentdeckt. Fasziniert von den persönlichen Erinnerungen habe ich, jetzt mit der nötigen Distanz, alle Negative noch einmal durchgesehen und neu bearbeitet.

Erinnerungen an eine bestimmte Zeit kommen wohl immer periodisch, und immer wieder erinnern sich Menschen, die zusammen groß geworden sind, gemeinsam ihrer Jugend. Mode und Musik beeinflussen uns sehr stark und meistens sehr unreflektiert, erst mit einiger Lebenserfahrung fragt man sich, was man da in jungen Jahren bloß angestellt hat. Auch die eigenen Kinder wollen irgendwann wissen, wie ihre Eltern groß geworden sind und interessieren sich für deren Jugendzeit - spätestens dann, wenn sie die alten Kleider ihrer Mutter mit großen bunten Blumenmustern im Schrank finden und Bilder des Vaters mit Irokesen-Haarschnitt. Bilder wecken dabei sehr direkt ganz bestimmte Erinnerungen, selbst belanglose Straßenszenen werden so zu Zeitdokumenten, schon allein wegen der abgebildeten Autos und der Kleidung der fotografierten Menschen.

"Essen wird jetzt bald Kulturhauptstadt, da passen diese Bilder einfach nicht". Das war die Reaktion eines bekannten Essener Buchverlages, dem ich meine Bilder aus den achtziger Jahren zusammen mit dem Entwurf anbot. Die Fotos seien zwar toll, doch werde sich sicher niemand finden, der ein "eher negatives Bild des Ruhrgebiets sponsort", hieß es.

Eigentlich hat sich nicht viel geändert, seit ich das Ruhrgebiet verlassen habe.

Liebeserklärung ans Ruhrgebiet

Die Kultur des Alltags - etwa der Arbeiter, der frühmorgens mit der Straßenbahn zur Maloche fährt (wo gibt es sonst überhaupt noch Straßenbahnen?) - wird ebenso wenig gewürdigt wie die Kultur der Freizeit: Der Karnevalsjeck, der einer Striptease-Tänzerin hinterherkrabbelt, ist es eben auch wert, beachtet zu werden. Natürlich stößt man auch auf Schattenseiten, wenn man sich auf die Suche nach dem Alltag macht. Aber auch diese gehören dazu und werden irgendwann Zeitdokumente.

Ich habe damals in den achtziger Jahren das Ruhrgebiet als faszinierenden Kulturraum erlebt, den Strukturwandel und die vielen damit verbundenen Ungereimtheiten empfand ich eher als Chance denn als Hemmnis. Meine Fotos sind sehr subjektiv, aber sie sind keine Abrechnung, sondern eher eine Liebeserklärung.

Ein Essener Karnevalspräsident schrieb mir einmal als Kommentar zu meinen Bildern aus der närrischen Zeit des Jahres voller Empörung: "Wo bleibt denn da die Freude?"

Genau das habe ich mich damals auch gefragt.

(EINESTAGES-SPIEGEL ONLINE)



....... photographer Reinhard Krause seems to have spied on his subjects. The former photo design student from Dortmund was hanging out at carnival sessions, in clubs and at wave parties. While Kraftwerk were designing their art-techno in Duesseldorf and Mick Jagger and Freddy Mercury turned Munich into the muggy glam capital of Europe for a few summers, the kids in Frohnhausen were waiting for the regional train with a walkman on their ears. The melancholy in Krause's photos is deeply moving: People show an introverted instead of an ecstatic when celebrating; they seem laborious instead of weightless; their bodies still feel the exertions of past decades. And living with the suspicion that another pit, another steel plant will be shut down after the weekend. The neon-bright hedonism of the eighties? Not here. (LABKULTUR)


 

Photographer Reinhard Krause was wandering around the "Ruhrpott" (the coal and steel mining district in North-Rhine-Westphalia) with his camera in the mid-80s and made these interesting photos.
Watching these pictures... you´ll see a world that seems strange and alien. Almost outlandish. Unless, of course, you have been there or you were brought up in a similar part of the world. But is the north of England or Pittsburgh comparable to the "Pott"?
The "Rhine-Ruhr Area" with its coal mines and steel mills and dense cities was almost levelled during WW2. 
While the cities were mostly gone, the factories and mills have been saved from the bombs, because they were so valuable. 
With the help of imported foreign workers, who came from Turkey, Greece and Italy, the area was quickly re-build. While the chimneys were smoking again, the cities would become a hasty hodge-podge of half baked architectonic ideas. 
The need for decent housing left no time for decent architecture.
Universities would be build but by the mid-eighties the new won prosperity would crumble again. Coal mining had become too expensive. Steel mills were closed down, dismantled and shipped to China to be re-assembled. Naturally this happened without the workers. 
"Structural change" was asked for. While the Cities tried to establish some sort of faux "Silicon Valley"-infra structure, a huge part of the population was unemployed and spent their days wandering around "re-naturated industry parks", which looked like amusement park ruins from an extinct race of giants. 
The odd thing about these pictures is that they don´t look dated or old. Despite being around 25 years old, these photos just look strangely familiar, yet totally alien. (destinyclontz.blogspot.de)